Aus der Geschichte

 

 

"All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag." 
 
 
 
Eine kurze Geschichte hat die Evangelische Kirchengemeinde Riedlingen.
Dennoch beginnt sie schon im Jahr 1522 mit dem Liederdichter Johannes Zwick:
Ein erstes reformatorisches Zwischenspiel in Riedlingen reicht zurück in die Anfangszeit der Reformation. Der Konstanzer Theologe und Liederdichter Johannes Zwick wurde im Jahr 1522 Pfarrer an der Georgskirche. Beeindruckt von den Schriften Martin Luthers predigte er in Riedlingen die neuen Lehren und wollte die Gemeinde nach dem Konstanzer Vorbild reformieren. Zwick hatte jedoch wenig Erfolg. Schon nach drei Jahren musste er auf Druck der Obrigkeit die Stadt verlassen.
An ihn erinnert das im Jahr 1991 erbaute Johannes-Zwick-Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde.

Ursprünglich zum evangelischen Pflummern gehörend, ist Riedlingen heute eine selbständige Kirchengemeinde, zu der 21 Ortschaften gehören.
Die größten davon sind Ertingen, Dürmentingen, Altheim und Unlingen.

Einige wichtige Daten:
1879 Bau der Christuskirche
1881 erster ständige Pfarrer Dr. Theodor Elsenhans
1887 Bau des Schul- und Pfarrhauses neben der Kirche
Nach dem 2. Weltkrieg: Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen steigt die Gemeindegliederzahl von 261 im Jahr 1937 auf 1289 im Jahr 1950
1974 Einweihung des Kindergartens
1989 Öffnung der "Mauer" - Viele Aussiedlerinnen und Aussiedler kommen nach Riedlingen und Ertingen. Die Gemeinde wächst in 13 Jahren von 2000 auf 4000 Gemeindeglieder
1991 Einweihung des Johannes-Zwick-Hauses in Riedlingen
2000 Einweihung des Gerhard-Berner-Hauses in Ertingen

Die Pfarrer:
1881-1902 Dr. Theodor Elsenhans
1903-1907 Eugen Friz
1910-1914 Dr. Hermann Ludwig Findeisen
1915-1926 Emil Dürr
1928-1945 Lic. Dr. Hermann Henne
1945-1973 Gerhard Berner
1974-1989 Erich Muncke
1989-2004 Dorothea und Gerhard Schwarz
2002-2006 Ulrike Ehmann-Rink (Ert.-Dürment.)

2002-2010 Burkhard Rink (Ert.-Dürment.)
2004-2014 Martin Elsässer (Riedl.-West, Gesch.-führung)
2004-2014 Helga Steible-Elsässer (Riedl.-Ost)
2010-2015 Dr. Hans-Martin Rieger (Ert.-Dürment.)

seit 09/2015 Anne-Dorothea Mielitz (Riedl.-West, Gesch.-führung)
seit 09/2015 Theodor Mielitz (Riedl.-Ost) 
seit 12/2015 Cornelia Schmutz (Ert.-Dürment.)

 

Seit 2002 ist aus der Pfarrvikariatsstelle eine ständige Pfarrstelle geworden: das Pfarramt Ertingen-Dürmentingen, in welches die bisherigen Stelleninhaber 2003 eingesetzt wurden.
Und ebenfalls seit 2002 hat die Gemeinde noch eine 75%-Stelle dazu bekommen, das Pfarramt Riedlingen-Ost. Die Geschäftsführung liegt im Pfarramt Riedlingen-West.

Johannes Zwick

Titelblatt der Zwickschrift

Zur Einweihung des Johannes-Zwick-Hauses verfasste Prof. Dr. Martin Widmann, Weingarten einen Abriss seines Lebens.

 

Hier Ausschnitte davon:

 

Johannes Zwick ist 1496 in Konstanz geboren. Schon als Kind erhielt er die Pfarrei Riedlingen zugesprochen. Denn sein Onkel, der Domherr Mag. Johannes Zwick, hatte die Pfarrei dreißig Jahre lang inne, während derer er aber nie in Riedlingen wohnte, sondern nur die Einkünfte aus der Pfründe bezog. 

 

Der junge Johannes studierte Jurisprudenz in Freiburg und Basel. Für den

26-jährigen wurde das Jahr 1522 zur entscheidenden Lebenswende:

Wie seine Vettern Ambrosius und Thomas Blarer wandte sich Johannes Zwick dem evangelischen Glauben zu. Ein Gespräch mit dem Züricher Reformator Huldrych Zwingli bestärkte ihn für die kommenden Entscheidungen.

 

Johannes Zwick heiratete Anna Tegerwilerin in Konstanz, und er zog sozusagen als erster verheirateter Pfarrer im Herbst 1522 in Riedlingen auf. Aber als erster evangelischer Prediger wirkte schon vor Zwick der 30 Jahre ältere Prädikant Johannes Feihelmaier, gebürtiger Riedlinger. Durch seine mitreißende Predigt des Wortes Gottes, durch seine bissige Kritik am Papstturn, Meßopfer, Priesterklerus, Feudalherrschaft, durch Gesprächskontakte mit jedermann, auch im Wirtshaus und beim Barbier, hatte Feihelmaier viele Riedlinger, besonders die kleinen Leute, als Anhänger gewonnen. Doch die Gegner, unter Anführung von Kaplan Fink, waren auch rührig. Sie verklagten Feihelmaier beim Bischof von Konstanz, so dass dieser im Mai 1523 verhaftet und nach Gottlieben ins Bischofsgefängnis abgeführt wurde.

 

Bald wurden auch dem neuen Pfarrer, dem "Ehepriester", alle kirchlichen und pfarrerlichen Amtshandlungen sakramentaler Art verboten, man gestattete ihm nur noch zu predigen. Er wurde durch eine Zitation vor die römische Kurie noch mehr unter Druck gesetzt, so dass er sich anfangs des Jahres 1525 in seine Heimatstadt zurückzog. Im Spätherbst entsetzte ihn ein kaiserliches Mandat von der Riedlinger Pfarrstelle.

 

Johannes Zwick fühlte sich aber innerlich immer noch als der rechtmäßiger Pastor der Riedlinger, und so versuchte er die ihm anvertrauten Gemeindeglieder in der Trostschrift* vom Februar 1526 zu trösten.

In den ihm verbleibenden 16 Lebensjahren bis zum Tod im Pestjahr 1542

wirkte er im Evangelischen Konstanz als Gemeindepfarrer, als Prediger an

der Stephanskirche und am Münster. Vor allem war er ein unermüdlicher

Seelsorger - daheim insbesondere ein Freund der Kinder und der Jugend.

 

Die wichtigste Tat für den Aufbau der Wortgottes-Gemeinde-Reformation im weit ausstrahlenden evangelischen Zentrum Konstanz war die Herausgabe des berühmten "Nüw gsangbüchle". Als Kirchenliederdichter verfasste er viele Lieder besonders für die Schuljugend. Die Ehe Zwicks blieb kinderlos, aber sie nahmen ein Waisenkind an, das aber früh starb. Zwick war ein treuer Krankenseelsorger.

 

 

 

* Die Trostschrift (Faksimile mit Übertragung) mit dem ganzen Artikel von Prof. Widmann kann beim Pfarramt für 5 € (incl. Versand) bestellt werden.

Die Gemeinde ehrt ihn mit der Namensgebung

Gerhard Berner

Pfarrer Gerhard Berner

Große Veränderungen brachten für die Gemeinde die Jahre nach dem Krieg - in dieser Zeit hat Gerhard Berner die Gemeinde geprägt

 

Gerhard Berner war von 1945-1973 Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Riedlingen.

Eigentlich sollte es ein kurzer Aufenthalt in Riedlingen werden. Der Oberkirchenrat schickte den "Bekennenden Christen" hierher, um nach der Zeit des Nationalsozialismus in der Gemeinde Ordnung zu schaffen. Offenbar hatten die mit dem NS-Regime gleichgeschalteten "Deutschen Christen" in Riedlingen größeren Einfluss.

Aus dem kurzen Aufenthalt sind 28 für die Kirchengemeinde sehr bewegte Jahre geworden.

Zunächst gab es in Riedlingen nur wenige hundert Gemeindeglieder.

Doch schon bald kamen als Folge des Krieges viele Evangelische aus dem Osten, die Pfarrer Berner liebevoll betreute.
In Seelsorge, Predigt und Unterricht war Pfarrer Bemer in den Teilorten unermüdlich unterwegs, um die ständig wachsende Gemeinde aufzubauen.

Über 550 Kinder hat er in den 28 Jahren getauft und über 750 konfirmiert.
175 Paare hat er getraut und mehr als 300 mal Angehörige beim letzten Abschied von einem Familienangehöriger begleitet.

Viele Familien erinnern sich gerne an ihn und nicht nur die Kirchengemeinde.

Am 21. Januar 2000 wurde Pfarrer Gerhard Berner in seiner letzten Wohngemeinde Pflummern kirchlich bestattet.

Die Gemeinde ehrt ihn mit der Namensgebung für das Gemeindehaus in Ertingen.

Das Gerhard-Berner-Haus

Festschriften

Festschrift zum 100-jährigen Bestehen

Festschriften von1979 und 1991

 

Vom 100-jährigen Jubiläum der Christuskirche und von der Einweihung des Johannes-Zwick-Hauses sind noch Festschriften erhältlich.

 

Die Festschrift von 1979 "ICH BIN DER WEG - 100 JAHRE EVANGELISCHE KIRCHE IN RIEDLINGEN"
enthält einen ausführlichen Aufsatz zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeindevon Pfarrer Gerhard Berner.
Außerdem ist eine Liste der Pfarrer und Vikare sowie einige Berichte aus dem Gemeindeleben enthalten.

Die Festschrift zur Einweihung des Johannes-Zwick-Hauses enthält die Trostschrift Johannes Zwicks:
"ALLEN MEINEN UNTERTANENZU RIEDLINGEN UND ZU ALTHEIM"
von 1526, als Nachdruck mit einer Übertragung in heutiges Deutsch von Studiendirektor a.D. Alois Braig.
Außerdem ist - neben Grußworten - ein Lebenslauf Johannes Zwicks von Prof. Dr. Martin Widmann, Weingarten, enthalten.


Beide Schriften können beim Pfarramt für je 5€ (incl. Versand) bestellt werden.

Festschrift von 1991

Pfarramt.Riedlingen@elkw.de